
Vorhofflimmern behandeln
Den richtigen Takt wiederherstellen
Vorhofflimmern wirksam zu behandeln, ist nach wie vor eine Herausforderung. Neben Medikamenten stehen dafür auch sogenannte interventionelle, d.h. "eingreifende" Methoden zur Verfügung.
Die Ursachen für Vorhofflimmern sind vielfältig und die Betroffenen können sehr unterschiedlichen Alters sein sowie verschiedenste Begleiterkrankungen haben. Eine Empfehlung für einen einzigen therapeutischen Ansatz ist daher nicht möglich. Aus diesem Grund werden bei der Behandlung von Vorhofflimmern derzeit drei unterschiedliche Strategien verfolgt:
- Rhythmuskontrolle: Wiederherstellung und Aufrechterhaltung des normalen Herzrhythmus (Kardioversion)
- Frequenzkontrolle: Stabilisierung der Schlagfrequenz der Herzkammern
- antithrombotische Therapie: medikamentöse"Verdünnung" des Blutes, um die Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) zu verhindern und damit einem Schlaganfall vorzubeugen.
Experten empfehlen bislang, die jeweils am besten geeignete Therapie - Rhythmus- oder Frequenzkontrolle -, auszuwählen und wenn sie nicht erfolgreich ist, auf eine andere Strategie zu wechseln. Unabhängig raten sie dazu, eine antithrombotische Therapie durchzuführen, um das Schlaganfallrisiko zu minimieren.
Medikamente haben die größte Bedeutung
Es stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, die als sogenannte Antiarrhythmika ("gegen die Herzrhythmusstörung") den Herzrhythmus beeinflussen. Einige der Medikamente dienen dazu, den normalen (Sinus-) Rhythmus des Herzens wiederherzustellen bzw. aufrechtzuerhalten - die medikamentöse Kardioversion. Andere senken die Schlagfrequenz der Herzkammern und damit die Herzfrequenz (Frequenzkontrolle).
Da die Wirksamkeit der bislang zur Verfügung stehenden Antiarrhythmika oftmals nur begrenzt ist, arbeiten Wissenschaftler stetig an der Entwicklung und Erprobung neuer Wirkstoffe.
Die Kardioversion geht auch elektrisch
Bei anhaltendem Vorhofflimmern kann der normale Sinusrhythmus des Herzens mithilfe von elektrischen Impulsen wiederhergestellt werden. Oft nutzen Mediziner diese Form der Kardioversion, wenn das Vorhofflimmern weitere Erkrankungen auslöst oder verschlechtert, etwa eine akute Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) oder einen anhaltend niedrigen Blutdruck (Hypotonie).
Die elektrische Kardioversion erfordert in der Mehrzahl der Fälle vor und nach dem Eingriff eine antithrombotische Therapie. Die Kardioversion selbst wird in Kurznarkose durchgeführt, sodass der Patient nichts davon spürt.
Wenn die Behandlung nicht erfolgreich ist
Ein besonderer Eingriff, der nur durchgeführt wird, wenn beispielsweise medikamentöse Therapien nicht den gewünschten Erfolg bringen, ist die sogenannte Katheterablation (lat. ablatio - Abtragung, Ablösung). Hierbei werden Drähte über eine kleine Hautöffnung in der Leiste, im Bein oder im Hals in eine Vene geführt und bis ins Herz vorgeschoben. Anschließend leitet der Untersucher über diese Drähte Hochfrequenzwellen, die diejenigen Bereiche im Herzen zerstören sollen, von denen die krankhaften elektrischen Impulse ausgehen.
Eine weitere Möglichkeit ist die AV-Knoten-Ablation, die die Ärzte einsetzen, wenn medikamentöse Therapien zur Frequenzkontrolle nicht den erwünschten Erfolg bringen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen. Der sogenannte AV-Knoten überträgt normalerweise die elektrische Erregung von den Vorhöfen des Herzens in die Kammern und löst dadurch der Schlag der Herzkammern aus. Ist die Frequenz der Kammern zu hoch, kann mithilfe der Ablationstechnik die Region des AV-Knotens zerstört werden. Der Patient erhält zuvor einen Herzschrittmacher, der anschließend die Aufgabe des AV-Knotens übernimmt und den Herzschlag normalisiert.
Das Vorhofflimmern selbst kann durch diese Methode nicht beseitigt werden, weshalb die Betroffenen auch weiterhin antithrombotisch wirkende Mittel einnehmen müssen.










