Vorhofflimmern

Wenn das Herz unregelmäßig schlägt

Plötzliches Herzstolpern oder Herzrasen verbunden mit Unruhe und Nervosität - das können die Anzeichen eines Vorhofflimmerns sein. In Deutschland ist etwa jeder 100. Einwohner davon betroffen.

Das menschliche Herz ist ein sehr leistungsfähiges Organ. 60- bis 100-mal pro Minute ziehen sich die Herzmuskelfasern im Takt zusammen und dehnen sich wieder aus. Den Takt gibt im Normalfall der sogenannte Sinusknoten vor, eine Gruppe von Zellen im rechten Herzvorhof, die kleine elektrische Impulse aussendet und so die Bewegungen der Herzmuskelfasern koordiniert. Doch kann dieser Rhythmus aus dem Takt geraten.

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Was ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern (VHF) ist eine Herzrhythmusstörung, die die Herzvorhöfe betrifft. Das menschliche Herz besteht aus zwei Hälften: der rechten Hälfte mit dem rechten Vorhof und der rechten Kammer und der linken Hälfte mit dem linken Vorhof und der linken Kammer. Die Muskelbewegungen, durch die das Blut aus den Vorhöfen in die Kammern und schließlich in den Kreislauf ausgeworfen wird, reguliert der Sinusknoten im rechten Herzvorhof. Von den Vorhöfen in die Kammern wird die elektrische Erregung über den sogenannten AV-Knoten (atrioventrikulärer Knoten) geleitet.

Beim Vorhofflimmern ist die Herzschlagkontrolle durch den Sinusknoten aufgehoben. Es entstehen unregelmäßige kreisende Erregungswellen, die den normalen Sinusrhythmus stören und schließlich zu unkoordinierten Bewegungen der Herzvorhöfe führen, dem Vorhofflimmern. Dabei sind die elektrischen Impulse so häufig, dass sie 300 bis 600 Schläge der Vorhöfe pro Minute auslösen können. Dank der Filterfunktion des AV-Knotens wird nur ein kleiner Teil der Vorhoferregungen auf die Kammern übergeleitet ? allerdings immer noch so viel, dass sich der Puls auf 110 bis 180 Schläge pro Minute beschleunigt. Außerdem werden die Herzkammern unregelmäßig aktiviert, was sich bei den Betroffenen als Herzstolpern bemerkbar macht.

Wie häufig ist Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Allein in Deutschland leiden rund 800.000 Menschen daran und damit rund ein Prozent der Bevölkerung. Die Häufigkeit von Vorhofflimmern nimmt mit dem Lebensalter zu. So tritt Vorhofflimmern pro Jahr bei weniger als 0,1 Prozent der unter 40-Jährigen neu auf, hingegen bei etwa 1,5 bis 2 Prozent der über 80-Jährigen. Während in jüngeren Jahren mehr Männer als Frauen an Vorhofflimmern leiden, gleicht sich die Häufigkeit zwischen den Geschlechtern mit zunehmendem Alter an.

Experten rechnen jedoch aufgrund eines oft ungesunden Lebensstils mit einer deutlichen Zunahme von Vorhofflimmern in der Zukunft. Sie gehen davon aus, dass jeder vierte der heute 40-Jährigen mindestens einmal im Laufe seines Lebens eine Episode von Vorhofflimmern haben wird.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Vorhofflimmern wird durch eine Reihe von Risikofaktoren begünstigt. Dazu zählen Bluthochdruck, Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), die koronare Herzkrankheit bzw. Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen, Diabetes mellitus und Übergewicht. Auch ein hohes Lebensalter gilt als Risikofaktor: Im höheren Alter nimmt die Steifigkeit der Herzmuskulatur zu, die wiederum für die steigende Häufigkeit von Vorhofflimmern verantwortlich ist, wie vermutet wird.

Was sind die Ursachen?

Die für das Vorhofflimmern typischen kreisenden Erregungswellen entstehen, wenn die Erregungsleitung im Vorhof verlangsamt bzw. gestört ist. Ursache hierfür können beispielsweise Narben oder Entzündungen im Vorhofgewebe sein.

Untersuchungen haben ergeben, dass spontane elektrische Erregungen bevorzugt in bestimmten Bereichen des linken Vorhofs entstehen. Einmal begonnen, verstärkt sich das Vorhofflimmern oftmals von selbst. Aufgrund der schnellen Aktivierung der Herzmuskelzellen verändern sich der Zellstoffwechsel und die elektrischen Eigenschaften. Dadurch werden die Vorhofzellen immer schneller erregbar und Vorhofflimmern kann zunehmend leichter durch spontane elektrische Erregungen ausgelöst werden.

Welche Formen gibt es?

Mediziner unterscheiden drei Gruppen von Vorhofflimmern:

  • Paroxysmales Vorhofflimmern: Hierbei kommt es wiederholt zu Episoden von Vorhofflimmern, die innerhalb von sieben Tagen von allein wieder aufhören.
  • Persistierendes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern hält länger als sieben Tage an, kann aber durch eine Therapie mittels Kardioversion (Versuch der Wiederherstellung des normalen Sinusrhythmus durch Medikamente oder durch elektrische Impulse) gestoppt werden.
  • Permanentes Vorhofflimmern: Das Vorhofflimmern bleibt trotz Kardioversion bestehen.

Die einzelnen Formen von Vorhofflimmern schließen sich nicht gegenseitig aus. So können bei einem Patienten wiederholt paroxysmales und gelegentlich persistierendes Vorhofflimmern auftreten.

Welche Beschwerden haben die Betroffenen?

Vorhofflimmern macht sich in vielen Fällen durch Herzrasen oder Herzstolpern bemerkbar. Auch plötzliche Unruhe, eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit und verstärkte Müdigkeit, Brustschmerzen, Atemnot und Benommenheit sind möglich. Dabei können die Anfälle von Vorhofflimmern zufällig auftreten oder mit typischen Auslösern verbunden sein, z.B. nach Alkoholgenuss, einer üppigen Mahlzeit oder bei Stress.

Mit der Zeit kann das Herzklopfen verschwinden. Oft nehmen Patienten, deren Vorhofflimmern permanent geworden ist, im Laufe der Zeit immer weniger Symptome der Krankheit wahr.

Wie erkennt der Arzt Vorhofflimmern?

Nicht selten ist die Diagnose Vorhofflimmern ein zufälliger Befund, etwa wenn Untersuchungen aufgrund einer anderen Herzerkrankung durchgeführt werden, z.B. bei einer sich verschlimmernden Herzmuskelschwäche. Erkennen kann der Arzt Vorhofflimmern, indem er den Puls misst und das Herz mit dem Stethoskop abhört oder indem er ein EKG (Elektrokardiogramm) aufnimmt.


Quelle: Nach Informationen des Medienseminars "Vorhofflimmern (VHF) - Aktuelle Therapiestrategien und neue Therapieansätze" vom 4. bis 5. November am Universitären Herzzentrum Hamburg; Kompetenznetz-Vorhofflimmern.de sowie Breithardt, G. & Leute, A.: "Volkskrankheit Vorhofflimmern", Forum Sanitas - Das informative Medizinmagazin, 3. Ausgabe 2008, S. 3-5
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jun 10, 2009


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